Demokratische Präsidentschaftskandidatur 2020: alle am Start (?)

Beiträge 171 - 180 von 180
  • Pfui, drui!

    Wanli, 13.09.2019 23:39, Antwort auf #170

    Drui, wie Du weißt, schätze ich Deine Beiträge sehr - Dein letzter hier ist eine Ausnahme.

    Darauf kommt es bei den Amis nicht an. Hillary hat Donald bei den Debatten um Längen geschlagen, aber der hat trotzdem das electoral college gewonnen, wegen ihrer mangelnden likeability. Biden hat eine positive likability, selbst wenn er stottert, halb einschläft oder sich um Kopf und Kragen redet.

    Hmpf, das finde ich denn doch etwas unterkomplex. Nur ein Gedanke: Wenn der Donald ein Plus hat, dann sicher nicht das Überblicken von komplexen Zusammenhängen oder das Entwickeln stimmiger Pläne. Deshalb sollte der Demokrat genau diese Qualitäten mitbringen, des Kontrasts willen. Gleichzeitig sollte sie dem POTUS aber das Wasser reichen können, was die schiere Energie angeht. Das ist ja Trumps Stärke: Was er sagt, macht bei genauem Hinsehen oft wenig Sinn und mit Details braucht man ihm gar nicht erst zu kommen, aber er tritt mit einer Macho-Attitüde und Selbstsicherheit auf, die wohl viele beeindruckt. Eine Schlaftablette darf man gegen ihn nicht nominieren.

    Und in der Beziehung ist es gut für ihn, dass sein (End-)Gegner noch trottelicher ist, wenn Elizabeth ihn nicht noch einholt. Ich sehne mich wirklich nicht nach einen Kampf halbdebiler Greise, aber momentan sieht es stark danach aus.

    Erstens ist Sanders zwar nicht mehr der Jüngste und lässt vielleicht auch eine gewisse geistige Flexibilität vermissen, aber er scheint mir geistig deutlich fitter zu sein als Biden.

    Zweitens tust Du mir Warren hier etwas zu nonchalant ab. Das mit dem Einholen läuft doch eigentlich ganz gut; bei RCP sehe ich nur eine Person, für die es seit Jahresbeginn fast kontinuierlich aufwärts geht und die mittlerweile auch gleichauf mit Bernie liegt.

    https://www.dailykos.com/stories/2019/9/12/1885074/-Pre-debate-mid-September-Cat tle-Call-we-re-currently-down-to-just-three-legit-candidates

    Zudem hat YouGov gerade eine ganz interessante Umfrage veröffentlicht, durchgeführt per Ranked-Choice Voting.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Instant-Runoff-Voting

    Und das kommt dem Modus der amerikanischen Vorwahlen tatsächlich ziemlich nahe: Während des Invisible Primaries (also jetzt) und nach den ersten Wahlgängen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina werden die allermeisten KandidatInnen aufgeben. Die meisten ihrer Wähler werden sich auf die übriggebliebenen Optionen verteilen; die YouGov-Erhebung simuliert diesen Prozess natürlich nicht perfekt, aber doch besser als die übrigen Polls, würde ich meinen. Und siehe da: Am Schluss steht Warren hier bei 53 und Biden bei 47 Prozent.

    https://www.vox.com/2019/9/12/20860985/poll-democratic-primary-ranked-choice-war ren-biden

    Dieses kleine demoskopische Experiment sollte man nicht überbewerten; zum Beispiel lässt sich ja kaum voraussagen, unter welchen Bedingungen Bernie tatsächlich gewillt wäre, das Handtuch zu werfen. Aber Warren wäre nicht die Nummer eins bei uns und PredictIt, wenn klar abzusehen wäre, dass Biden und Sanders das am Ende unter sich ausmachen.

  • "Likeability" - meine Bewertung der ...

    Bergischer, 14.09.2019 02:16, Antwort auf #170

    3. Debatte:

    Darauf kommt es bei den Amis nicht an. Hillary hat Donald bei den Debatten um Längen geschlagen, aber der hat trotzdem das electoral college gewonnen, wegen ihrer mangelnden likeability. Biden hat eine positive likability,

    .. du wirst mir sicher zustimmen, dass die "Likeability" einer subjektiven Beurteilung "unterliegt" - obwohl ich Hillary absolut nicht "ab kann", würde ich ihr mehr "Likeability" zugestehen, als "Kotzbrocken" Trump.

    ... und das gilt auch für die gestrige Debatte, die ich mir "in voller Länge" "gegeben habe" - und ich denke, dass

    Biden hat eine positive likability, selbst wenn er stottert, halb einschläft oder sich um Kopf und Kragen redet.

    eine Biden "Likeability", die man "gehässig" auch als "Mitleid" - "Angriff" Castros auf Joe`s Alter (Vergesslichkeit) - bezeichnen kann, kein positives Qualitätskriterium für den Präsidentenjob ist.

    Alle inhaltlichen Ausssagen ausgeklammert, sehe ich - übereinstimmend mit den meisten Debatten-Kritikern - Beto O'Rourke und - mit Abstrichen - Amy Klobuchar und Booker als "Gewinner" des Abends - ein wenig gepunktet hat imho auch E. Warren (trotz Verbotsforderung privater Krankenversicherungen) und auch Biden, der aber nur wegen Castros "Schlag unter die Gürtellinie" - für Kamala Harris und Pete Buttigieg dürfte es ein "ergebnisneutraler" Abend gewesen sein - Bernie und Yang haben wohl Punkte "verloren" - Sanders musste zweimal doppelt angesprochen werden (Aufmerksamkeits Defizit) und seine Stimme war gestern "unterirdisch" / Yangs populistische 1000 Dollar für die ersten 10 Anrufer Aktion war imho "peinlich" und seine Forderung nach "Öffnen aller US-Grenzen" für (soviel wie möglich) Migranten dürfte auch für die meisten Demokraten nicht akzeptabel sein. Verlierer der dritten Debatte war Castro durch seine Attacke auf Biden.

    Mein Fazit: Sorry, aber ich sehe bei keinem(r) der (Umfrage führenden) Dem-Kandidaten(innen),  die Vorraussetzungen und das Potenzial Dumpf zu "schlagen" - auch nicht bei Elisabeth Warren (die ich zugegeben auch nicht sehr "likeable" finde - mag keine Leute, die sich ständig "mit Federn schmücken", auch wenn es nicht die eigenen sind)

    Auch ist für mich - als nicht US Bürger - die wichtigste (und gefährlichste) Macht des US Präsidenten: der "Commander in Chief" und somit die aussenpolitische Agenda der Kandidaten entscheidend. Und das ist nicht nur: "Bringing our troops home" und die Kürzung im Verteidigungshaushalt, sondern essenzielle Fragen: wie stehe ich zur Politik der Israelischen Netanjahu Regierung, wie zu Saudi-Arabien und dem Jemen Konflikt, was machen wenn Kim Jong Un oder der Iran ihre Atomwaffen nicht abrüsten? ... usw.

    OK - alte Binsenweißheit: "mit Aussenpolitik gewinnt man keine Wahlen" - dennoch gibt es zahlreiche Aussage-Indizien dafür, dass - mit Ausnahme von Biden (und dessen Agenda sehe ich mehr als kritisch) kein Top Dem-Kandidat auch nur die kleinste aussenpolitische Kompetenz hat und im Erfolgsfall auf "beratende Falken" hören" wird.

    ... und "last but not least" - das hohe Alter! - es läst sich "drehen und wenden, wie auch immer" - in hohem Alter ist der mensch geistig eben nicht mehr allzu "spritzig spontan" - auch vergisst er schon mal das ein oder andere - und ist demzufolge konsequenterweise - gerade für auf die Zukunft gerichtete jüngere Wähler "less attractive" - ob die Kennedys, Obama, J. Carter oder auch Bill Clinton - richtig erfolgreich waren die Dem`s mit jüngeren Kandidaten und nicht mit "Tattergreisen" - sorry, für den provokanten Begriff.

  • RE: "Likeability" - meine Bewertung der ...

    Wanli, 14.09.2019 16:11, Antwort auf #172

    Alle inhaltlichen Ausssagen ausgeklammert, sehe ich - übereinstimmend mit den meisten Debatten-Kritikern - Beto O'Rourke und - mit Abstrichen - Amy Klobuchar und Booker als "Gewinner" des Abends

    Man kann natürlich versuchen, eine Debatte wie eine Schulmeisterschaft zu bewerten und dann mag man zu diesem Ergebnis kommen. Aber im Rahmen des Vorwahlkampfes reicht es für Amy, Beto oder Booker einfach nicht, eine gute Leistung abzuliefern. Nehmen wir Booker, mit dem ich von allen Genannten am besten vertraut bin: Der kann Debatten, überhaupt keine Frage, das hat er jetzt dreimal in Folge bewiesen und davor auch schon im Senat(swahlkampf) gezeigt, dass er inspirierend sprechen kann. An der Basis ist der Mann auch durchaus beliebt; man könnte mit ihm an der Spitze auch zuversichtlich in den Wahlkampf gegen Trump ziehen. Nur als Lieblingskandidaten nennen ihn halt wenige, das wird er entweder schnell ändern oder überlegen müssen spätestens irgendwann im Februar dem Vorbild seiner Kollegin Gillibrand zu folgen.

    Ne kompetente Vorstellung hilft da nicht weiter, vielleicht könnte das ein viraler Moment tun, wie ihn Castro mit seinem scharfen Angriff auf Biden offenbar angestrebt hat. Aber selbst das mag nur kurzfristig weiterhelfen; Kamala Harris gelang ein solcher Moment, aber das folgende Umfragenhoch ist mittlerweile wieder komplett abgeschmolzen.

    Elisabeth Warren (die ich zugegeben auch nicht sehr "likeable" finde - mag keine Leute, die sich ständig "mit Federn schmücken", auch wenn es nicht die eigenen sind)

    Was meinst Du?

    Warren acted like a front-runner. She hovered above the fray and avoided taking damage from her rivals, and she did not pick any fights of her own.

    Whether her debate performance boosts her standing in the polls remains to be seen. But it’s also unlikely to hurt her and may very strengthen her position as a front-runner.

    https://thehill.com/homenews/campaign/461234-5-takeaways-from-feisty-democratic- debate

    für Kamala Harris und Pete Buttigieg dürfte es ein "ergebnisneutraler" Abend gewesen sein - Bernie und Yang haben wohl Punkte "verloren" - Sanders musste zweimal doppelt angesprochen werden (Aufmerksamkeits Defizit) und seine Stimme war gestern "unterirdisch" / Yangs populistische 1000 Dollar für die ersten 10 Anrufer Aktion war imho "peinlich" und seine Forderung nach "Öffnen aller US-Grenzen" für (soviel wie möglich) Migranten dürfte auch für die meisten Demokraten nicht akzeptabel sein. Verlierer der dritten Debatte war Castro durch seine Attacke auf Biden.

    Harris und Buttigieg sind in einer etwas komfortableren Position als die Zweiprozenter weiter oben, denn sie haben wohl genug Geld, um zumindest den Februar hindurch, vielleicht bis zum Super Tuesday im Rennen zu bleiben; ihre Umfragezahlen - so sie denn konstant bleiben - sollten auch gut genug sein, um sich für Debatten am Jahresende auch dann zu qualifizieren, wenn das DNC die Teilnahmekriterien erneut verschärft. Aber wie siegreiche Kampagnen sehen die ihren momentan auch nicht aus, der Abstand zum Dreigestirn an der Spitze ist schon gewaltig, und "ergebnisneutrale" Debatten werden daran auch nichts ändern.

    Ändern wird auch eine heisere Stimme nichts an Bernies Standing. Der hat seine treuen Fans, die lassen ihn deswegen sicher nicht im Stich, neue dazuzugewinnen fällt ihm dagegen schwer - in diesem Punkt ähnelt er tatsächlich ein wenig dem POTUS.

    Yangs ungewöhnliches Geldgeschenk fand ich einen unkonventionellen, aber gar nicht dummen Move; es verweist ja auch direkt auf sein zentrales Wahlkampfanliegen, insofern ganz gelungenes Marketing. Wird ihm diese Idee die Kandidatur einbringen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.

    OK - alte Binsenweißheit: "mit Aussenpolitik gewinnt man keine Wahlen" - dennoch gibt es zahlreiche Aussage-Indizien dafür, dass - mit Ausnahme von Biden (und dessen Agenda sehe ich mehr als kritisch) kein Top Dem-Kandidat auch nur die kleinste aussenpolitische Kompetenz hat und im Erfolgsfall auf "beratende Falken" hören" wird.idaten und nicht mit "Tattergreisen" - sorry, für den provokanten Begriff.

    Die Außenpolitik war doch kaum Thema; wie willst Du daraus schließen, dass die Kandidaten auf dem Gebiet keine Ahnung haben? Auch ein Physiknobelpreisträger wird Probleme haben, seine Kompetenz in Bezug auf die Quantentheorie nachzuweisen, wenn man ihm nur Fragen zu seinen Lieblingskochrezepten stellt.

    ... und "last but not least" - das hohe Alter! - es läst sich "drehen und wenden, wie auch immer" - in hohem Alter ist der mensch geistig eben nicht mehr allzu "spritzig spontan" - auch vergisst er schon mal das ein oder andere - und ist demzufolge konsequenterweise - gerade für auf die Zukunft gerichtete jüngere Wähler "less attractive" - ob die Kennedys, Obama, J. Carter oder auch Bill Clinton - richtig erfolgreich waren die Dem`s mit jüngeren Kandidaten und nicht mit "Tattergreisen" - sorry, für den provokanten Begriff.

    Das ist nach wie vor ein Thema in den Kommentaren zur Debatte.

    The Democratic front-runner cannot speak in complete sentences when he is feeling tired or defensive. And 90 minutes of debate is enough to make him tired. And a reference to something that he said about race in the 1970s is enough to make him defensive.

    These were my three main takeaways from the Democratic Party’s third presidential primary debate in Houston on Thursday. And they’ve left me rather apprehensive about the prospect of the Democrats sending Joe Biden into battle against Donald Trump next year.

    http://nymag.com/intelligencer/2019/09/democratic-debate-raises-questions-about- bidens-age.html

    At the start of the debate, then, and for the first hour, the former VP was excellent. He was strong, confident, gave good answers, and flashed that famous smile, while also doing some damage to his progressive rivals with some pointed observations about their healthcare plans. He looked 20 years younger, and it seemed all-but-certain that he'd be appearing in the previous section, and not this one.

    However, after the first hour or so, the wheels slowly came off. The Biden campaign has two Achilles' heels—his age, and the problematic spots in his record—and viewers were repeatedly reminded of both in the second and third hours. On the former point, his answers after the first hour were often rambling and unfocused. Maybe that is because it is hard for anyone to remain sharp for three hours (although Warren is just a few years younger than Biden, and she didn't have any issues). Or maybe it is because the moderators started asking questions that the candidates could not have prepared for, forcing Biden (and the others) off script. See, for example, the last question of the night, which was: "I want to ask each of you, what's the most significant professional setback you've had to face? How did you recover from it? And what did you learn from it?"

    Whatever the issue was, he rambled...badly.

    https://www.electoral-vote.com/evp2019/Pres/Maps/Sep13.html#item-1

  • RE: Pfui, drui!

    drui (MdPB), 15.09.2019 00:02, Antwort auf #171

    Vielleicht hast Du ja einen Ansatz von Resignation rausgehört, der ist bei mir durchaus vorhanden. Ich wünsche mir wirklich keinen Präsident Biden, aber Fakt ist, die Leute a) kennen ihn und b) mögen ihn, gerade die Schwarzen, selbst wenn er Dinge sagt, die zutiefst von strukturellem Rassismus triefen. Sanders ist auch sehr bekannt, also auch vorne und außer Warren schafft es keiner der anderen Kandidaten aufzuschließen. Warren hat zuletzt zwar aufgeholt, aber bei der Debatte wohl nicht. Die Hoffnung vor einigen Wochen, Biden würde irgendwann auseinanderfallen und die Zentristen um Harris, Klobuchar, Booker, Buttigieg oder Beto würden seine Fans aufsaugen, hat sich inzwischen zerstreut. Auch bei Trump hat man 2016 lange gedacht, die Leute würden zu Vernunft kommen, Fehlanzeige. Und wenn kein stärkerer zentristischer Demokrat heranwächst, hat Biden alle Vorteile, während sich Warren und Sanders das (kleinere) progressive Lager gleichmäßig aufteilen. Ich kann nichts dafür, dass die Amis insgesamt politisch recht dumm sind, mit dieser Dummheit muss man immer rechnen, auch bei den Demokraten (der Grüne würde sagen, gerade bei den Demokraten).

    Ich teile im übrigen nicht die Ansicht, keiner der Führenden hätte eine Chance gegen Trump, im Gegenteil, alle führende demokratische Kandidaten haben eine sehr gute Chance gegen Trump, was an Trump liegt, weniger an den demokratischen Kandidaten.

  • RE: Pfui, drui!

    sorros, 15.09.2019 01:28, Antwort auf #174

    Ich teile im übrigen nicht die Ansicht, keiner der Führenden hätte eine Chance gegen Trump, im Gegenteil, alle führende demokratische Kandidaten haben eine sehr gute Chance gegen Trump, was an Trump liegt, weniger an den demokratischen Kandidaten.

    Ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, daß dieser langsam in der Demenz versinkende Biden das noch ein halbes Jahr schafft seinen geistigen Gesundheitszustand zu verbergen.
    Und dann wird einer der anderen Zentristen sich durchsetzen.
    Ich glaube nicht, daß eine/r von den 3 jetzt Führenden gegen Trump gewinnen würde, am Ehesten noch Warren.
    Aber ich glaube auch nicht, daß eine/r von denen Dem-Kandidat wird.

  • Diskutabel: Setzen es die Demokraten in den Sand?

    Wanli, 15.09.2019 11:52, Antwort auf #175

    Hier mal ein Artikel, der die jüngsten Entwicklungen bei den Demokraten für fatal hält. Ich bin optimistischer, aber bedenkenswert sind die Unkenrufe schon.

    Erstens: In der Partei habe sich nach 2016 die Überzeugung durchgesetzt, man könne und müsse deutlich weiter nach links rücken; Wechselwähler spielten eh keine Rolle mehr, es gelte die Basis zu motivieren, und Trumps Wahl habe ja bereits gezeigt, dass extreme Kandidaten gewinnen könnten. Dementsprechend sei beinahe das gesamte Kandidatenfeld nach links gallopiert und habe sich vergallopiert mit Forderungen, die nicht mal an der demokratischen Basis eine Mehrheit fänden.

    Zweitens: Es habe lange Zeit nur ein prominentes Gesicht gegeben, das dem Linksdrall widerstanden habe: Joe Biden, den auch der Autor aus den bekannten Gründen als problematischen Kandidaten sieht. Alle anderen moderaten KandidatInnen fänden in seinem Schatten einfach keinen Raum, um auf sich aufmerksam zu machen. Zwar würden Leute wie Harris oder Booker tatsächlich versuchen, sich der Linksdrift ein wenig zu widersetzen, allerdings bislang mit zu wenig Erfolg.

    If Biden isn’t up to this, he needs to collapse soon enough for another mainstream liberal Democrat like Booker or Harris to take his place. Yet it’s at least as easy to imagine he will stay in the race, locking down the party’s center, while Sanders and Warren continue to try to outflank each other on the left. There’s still some time for the race to change. At the moment, the most dire scenario looks disconcertingly real.

    http://nymag.com/intelligencer/2019/09/democrats-presidential-candidates-old-rad ical-biden-warren-bernie.html

    Es lohnt sich, den Artikel mal zu lesen. Einerseits hoffe ich ja auch auf eine Kandidatin, die im Weißen Haus das Land wirklich grundlegend verändert. Ich frage mich aber auch schon länger, ob man in den Primaries da nicht gelegentlich deutlich zu weit nach links geht. Ich hab ja Bernie durchaus dafür gelobt, dass er den Horizont der parteiinternen Debatten um Optionen bereichert hat, die seit den Neunzigern überhaupt nicht mehr diskutiert wurden. Aber mittlerweile gehen mir seine (sicher ehrliche) linke Orthodoxie und deren Einfluss auf die anderen Bewerber etwas zu weit: Wenn von ihm für jedes Problem viele Milliarden schwere Staatsausgaben gefordert werden (die Reichen sollen zahlen) oder Maximalforderungen gestellt werden wie die, auch der Bombenleger von Boston solle im Gefängnis natürlich von seinem Wahlrecht Gebrauch machen dürfen.

    He was pressed on whether it was appropriate to enfranchise sex offenders or someone convicted of a heinous crime like Tsarnaev, who with his brother carried out the 2013 Boston Marathon bombing that left three dead and injured hundreds more.

    "Yes, even for terrible people, because once you start chipping away and you say, 'Well, that guy committed a terrible crime, not going to let him vote. Well, that person did that. Not going to let that person vote,' you're running down a slippery slope," Sanders said in response to a question about restoring felons' voting rights.

    https://eu.usatoday.com/story/news/politics/elections/2019/04/23/bernie-sanders- voting-rights-boston-marathon-bomber-buttigieg-harris/3548232002/

    Dass reiche Amerikaner mehr Steuern zahlen sollen, dass Straftäter nach Verbüßung ihrer Strafe wieder wählen dürfen sollen, das sind vernünftige demokratische Forderungen - aber wenn Bernie die regelmäßig noch weiter radikalisiert und andere hinterherlaufen, weil die radikalere Linke auf Twitter davon begeistert ist, kann das schon ein Problem werden. Hier würde ich mir in der Tat etwas mehr Zurückhaltung wünschen.

    Konnte vor kurzem mal wieder länger mit meinem amerikanischen Kumpel Loren reden. Der bezeichnet sich als moderat, hat aber seit 2004 immer für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten gestimmt. Er meinte jetzt, das wolle er im nächsten Herbst vielleicht nicht mehr tun - trotz Trump. Nur eine Stimme, aber immerhin bedenkenswert.

    Ich hoffe, dass man am Schluss mit einem Herausforderer dasteht, der einerseits für einen anderen Kurs steht, eine deutliche Stärkung des sozialen Netzes, viel wirkungsvolleren Klimaschutz, eine Umverteilung von oben nach unten. Andererseits sollte der Forderungskatalog der Jakobiner in der Partei so zurechtgestutzt werden, dass man Joe Sixpack in Ohio nicht unnötig vergrätzt. Zugegeben, ein schwieriger Balanceakt.

    EDIT

    Die Gegenposition, natürlich: Macht Euch keinen zu großen Kopf die "Electability" eines Politikers betreffend, wählt im Zweifelsfall lieber das aufregende Versprechen eines Neuanfangs als das scheinbar sichere Althergebrachte.

    Note, please, that the last president was a black man with the unlikely name of Barack Hussein Obama, Jr., who came to office with just a few years of senatorial experience. His successor was a TV reality show host with no government experience whatsoever and a history of racist, misogynistic and incompetent behavior. [...]

    Ask yourself: when is the last time you saw the GOP wring its hands over whether its policies were attractive to Obama voters? Win or lose, the right knows what it believes, and it does not change that to chase voters who hold it in contempt. [...]

    Arguments over electability are, at best, an annoying diversion of the politically-obsessed. But when they morph into a means of stifling debate - especially in a cause as fruitless as wooing Trump voters - it’s time to recall the lesson of the night Obama swept to victory 11 years ago. Namely, that neither pundits nor pols define who is electable.

    https://www.miamiherald.com/opinion/opn-columns-blogs/leonard-pitts-jr/article23 5087672.html

  • Wählertypologien: traditionell, modern, postmodern

    Mirascael, 20.09.2019 21:54, Antwort auf #176

    Eine differenzierte Analyse der amerikanischen Wählerschaft und der damit verbundenen Schwierigkeiten für die Kandidiaten:

    Understanding America’s Cultural and Political Realignment

  • Iowa: Selzer-Umfrage

    Wanli, 22.09.2019 14:55, Antwort auf #177

    Ich verweise eher selten auf einzelne Umfragen, wenn sie nicht methodisch ungewöhnlich sind, denn unterm Strich ist man mit Durchschnittswerten (etwa von RCP, 538) im Allgemeinen besser bedient. Eine Ausnahme mache ich aber für Ann Selzers Umfragen aus Iowa, allgemein gerühmt als der Goldstandard moderner Demoskopie. Deshalb die gerade veröffentlichten Zahlen:

    Warren 22 / Biden 20 / Sanders 11 / Buttigieg 9 / Harris 6 / Klobuchar, Booker 3 / Gabbard, O'Rourke, Steyer, Yang 2

    Die Erhebung hält noch weitere interessante Einsichten bereit:

    Today, the universe of people who say they are considering Warren in some way — 71% of likely Democratic caucusgoers — is larger than it is for any other candidate.

    That includes 22% who say she is their first choice for president, 20% who say she is their second choice and another 29% who say they are actively considering her.

    Trailing her are: Biden (60%), Buttigieg (55%), Harris (55%), Sanders (50%), Booker (42%), O’Rourke (38%) and Klobuchar (37%). [...]

    Warren is the best-liked candidate in the field: 75% of likely Democratic caucusgoers say they view her favorably. Next-best are Buttigieg, who is viewed favorably by 69%, and Biden, at 66%.

    But Selzer said Warren’s numbers also reveal some vulnerability.

    Among those who say she is their first choice for president, only 12% say their minds are made up, while 88% say they could be persuaded to support another candidate.

    More Biden supporters are firm in their choice: 26% say their mind is mind up, with 70% saying they could be persuaded.

    https://eu.desmoinesregister.com/story/news/politics/iowa-poll/2019/09/22/iowa-p oll-election-2020-iowa-caucus-elizabeth-warren-joe-biden-bernie-sanders-democrat -candidates/2370015001/

    EDIT

    Die Auswirkungen der Caucuses in Iowa (und der folgenden Vorwahl in New Hampshire) sollte man nicht unterschätzen; nur mal zur Veranschaulichung:

    Vorwahlen 1996:

    Republikaner - Sieger Iowa: Dole / Sieger New Hampshire: Buchanan / Präsidentschaftskandidatur: Dole

    Vorwahlen 2000:

    Republikaner - Sieger Iowa: Bush / Sieger New Hampshire: McCain / Präsidentschaftskandidatur: Bush

    Demokraten - Sieger Iowa: Gore / Sieger New Hampshire: Gore / Präsidentschaftskandidatur: Gore (mit Siegen in allen Vorwahlen)

    Vorwahlen 2004:

    Demokraten - Sieger Iowa: Kerry / Sieger New Hampshire: Kerry / Präsidentschaftskandidatur: Kerry

    Vorwahlen 2008:

    Republikaner - Sieger Iowa: Huckabee / Sieger New Hampshire: McCain / Präsidentschaftskandidatur: McCain

    Demokraten - Sieger Iowa: Obama / Sieger New Hampshire: Clinton / Präsidentschaftskandidatur: Obama

    Vorwahlen 2012:

    Republikaner - Sieger Iowa: Santorum / Sieger New Hampshire: Romney / Präsidentschaftskandidatur: Romney

    Vorwahlen 2016:

    Republikaner - Sieger Iowa: Cruz / Sieger New Hampshire: Trump / Präsidentschaftskandidatur: Trump

    Demokraten - Sieger Iowa: Clinton / Sieger New Hampshire: Sanders / Präsidentschaftskandidatur: Clinton

    In allen Vorwahlen in diesem Zeitraum wurde der Sieger eines der beiden Vorwahlstaaten letztendlich Präsidentschaftskandidat, der Sieger im anderen Staat erhielt die zweitgrößte Anzahl an Delegierten (die beiden Fälle mal ausgenommen, als beide Staaten für denselben Politiker votierten).

    Der Ablauf der Vorwahlen ist natürlich nicht in Stein gemeißelt, aber mit Blick auf die Ergebnisse der Vergangenheit mag es für Trader eine gute Idee sein, den Zahlen aus diesen beiden kleinen Staaten größere Aufmerksamkeit zu schenken als den landesweiten Umfrageergebnissen.

    EDIT 2

    Hier der RCP-Schnitt der September-Umfragen aus New Hampshire:

    Biden 23,7 / Sanders 22,2 / Warren 21,7 / Buttigieg 8 / Harris 7 / Gabbard 3,3 / Yang 3 / Booker 2,3

    https://www.realclearpolitics.com/epolls/2020/president/nh/new_hampshire_democra tic_presidential_primary-6276.html

  • RE: Iowa: Selzer-Umfrage

    drui (MdPB), 22.09.2019 21:51, Antwort auf #178

    Warren 22 / Biden 20 / Sanders 11 / Buttigieg 9 / Harris 6 / Klobuchar, Booker 3 / Gabbard, O'Rourke, Steyer, Yang 2

    Erstaunlich. Wenn Bernie in Iowa nur auf11% kommt, ist er erledigt. So ganz glaube ich noch nicht daran, vermutlich schwanken Viele zwischen Warren und ihm und der Eindruck eines Zweikampfes Warren-Biden schadet Sanders. Buttigieg ist für eine Überraschung gut positioniert.

  • RE: Iowa: Selzer-Umfrage

    Wanli, 23.09.2019 00:20, Antwort auf #179

    Na, Sanders bleibt noch New Hampshire im Falle einer Pleite in Iowa; dort ist er ja auch ganz gut positioniert. Wenn's in beiden Staaten nicht für einen Sieg reicht, ist natürlich die Flammenschrift an der Wand und Bernie wird wissen, dass er nicht der Kandidat sein wird, denn nach New Hampshire geht's nach Nevada und South Carolina, beides deutlich weniger ideale Staaten für ihn als die ersten.

    Die Frage ist, was der alte Sturkopf in so einem Fall tun würde: Aussteigen oder weitermachen und versuchen, möglichst viele Delegierte zu gewinnen, um etwa das Wahlprogramm in seinem Sinne zu beeinflussen? Keine Ahnung, wie er sich entscheiden würde, das ist natürlich auch noch Zukunftsmusik.

    Buttigieg? Klar, völlig abschreiben würde ich die zweite Reihe (Mayor Pete, Kamala, vielleicht noch jemand anderen) noch nicht, denn Biden könnte sich gut und gerne noch als (kleiner) Koloss auf tönernen Füßen erweisen angesichts der offenen Fragen zu seiner mentalen Fitness. Und wenn Biden kollabiert, wird wohl jemand profitieren neben Sanders und Warren; glaube nicht, dass man dem linken Flügel einfach so das Feld überlässt.

    Und Buttigieg hat jede Menge Geld und scheint es zu nutzen, um in Iowa so richtig in die Vollen zu gehen.

    Buttigieg will open 20 offices in Iowa in 20 days, campaign officials told the Des Moines Register. He’ll also have 98 paid staffers on the ground by the end of the first week of September, with additional hires expected. [...]

    Buttigieg, 37, has kept a busy schedule in Iowa over the summer.

    His Labor Day stop, which included a picnic event with Democrats in Cedar Rapids and a walking tour with local officials to discuss flooding, marked his eighth visit to the state since the beginning of July, according to the Register’s candidate tracker.

    In the preceding three months, Buttigieg made a total of three multi-day visits to Iowa. Buttigieg visited Iowa twice in February and March during the exploratory period of his campaign.

    Buttigieg’s latest visits to Iowa have taken him around the state to candidate forums, house parties, meet and greets and town halls. He has talked in Council Bluffs about health care, toured small businesses in Waterloo, and spoken at the Register Political Soapbox at the Iowa State Fair. Less than two weeks ago, he led a town hall in Des Moines on reproductive rights before addressing labor organizers a few miles away.

    https://eu.desmoinesregister.com/story/news/elections/presidential/caucus/2019/0 9/02/iowa-caucus-democrat-mayor-pete-buttigieg-field-offices-additional-hires-st aff-organization-polling/2135561001/

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